Bernadette Bruckner
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Wenn mehr Auswahl nicht mehr hilft

Warum Entscheidungen leichter werden, sobald klarer ist, worauf es bei ihnen ankommt

Eine Frau möchte einen Abend pro Woche wieder für etwas nutzen, das nur ihr gehört. Vielleicht einen Sprachkurs besuchen. Töpfern lernen. Mit Pilates beginnen. Oder endlich wieder regelmäßig fotografieren.

Sie öffnet die Programme verschiedener Anbieter, liest Bewertungen und speichert interessante Kurse. Bald sind zwölf Tabs geöffnet. Einige Angebote beginnen sofort, andere erst im Herbst. Manche sind günstig, andere besonders gut bewertet. Fast jedes klingt auf seine Weise reizvoll.

Eine Stunde später weiß sie mehr über die einzelnen Kurse. Einer Entscheidung ist sie trotzdem nicht nähergekommen.

Dabei gilt eine große Auswahl meist als Vorteil. Je mehr Möglichkeiten wir haben, desto wahrscheinlicher müsste schließlich eine dabei sein, die gut zu uns passt. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

Wenn sich Möglichkeiten kaum vergleichen lassen

In der psychologischen Forschung wird untersucht, wann eine umfangreiche Auswahl zu Choice Overload, also einer Überforderung durch Wahlmöglichkeiten, führen kann. Dabei gilt kein einfaches Prinzip nach dem Motto: Je mehr Auswahl, desto schlechter. Eine große Zahl an Möglichkeiten kann hilfreich sein oder das Entscheiden erschweren. Das hängt unter anderem davon ab, wie komplex und unterschiedlich die Optionen sind und wie klar die eigenen Präferenzen bereits sind.

Genau das zeigt sich bei der Kurssuche. Ein Sprachkurs lässt sich noch relativ einfach mit einem anderen Sprachkurs vergleichen. Unterrichtszeit, Gruppengröße, Preis und Niveau bieten gemeinsame Kriterien. Doch wie vergleicht man einen Sprachkurs mit Pilates oder einem Keramikkurs? Jedes Angebot verspricht etwas anderes. Das eine steht vielleicht für Weiterentwicklung, das andere für Bewegung, Entspannung oder Kreativität.

Solange nicht klar ist, was dieser freie Abend hauptsächlich ermöglichen soll, lassen sich die Möglichkeiten kaum sinnvoll gegeneinander abwägen. Mehr Informationen lösen diese Frage nicht automatisch. Sie können die Auswahl sogar noch erweitern.

Der Maßstab fehlt, nicht die nächste Möglichkeit

Vielleicht geht es der Frau vor allem darum, nach einem langen Arbeitstag durch Bewegung abzuschalten. Dann würde sie die Angebote anders beurteilen, als wenn sie sich neue Kontakte oder eine geistige Herausforderung wünscht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Welcher Kurs ist der beste?“ Sondern: „Was soll dieser Abend für mich vor allem sein?“

Sobald das klarer wird, entstehen brauchbare Kriterien. Möchte sie sich bewegen, ohne dabei Leistung erbringen zu müssen? Will sie regelmäßig dieselben Menschen treffen? Soll der Kurs möglichst wenig Vorbereitung verlangen? Ist ihr wichtig, etwas Neues zu lernen? Oder möchte sie gerade keinen weiteren festen Termin?

Die Angebote haben sich dadurch nicht verändert. Aber sie werden vergleichbarer, weil nun klarer ist, worauf es bei der Entscheidung ankommt.

Eine gute Möglichkeit muss nicht alle anderen übertreffen

Entscheidungen fallen auch deshalb schwer, weil mehrere Möglichkeiten tatsächlich attraktiv sein können. Der Sprachkurs wird nicht uninteressant, nur weil sie sich für Pilates entscheidet. Der Keramikkurs wäre vielleicht ebenfalls eine gute Wahl gewesen.

Eine Entscheidung muss deshalb nicht beweisen, dass alle anderen Optionen schlechter sind. Es genügt, wenn eine Möglichkeit die Kriterien erfüllt, die für die aktuelle Situation besonders wichtig sind.

Das klingt selbstverständlich. Im Moment der Entscheidung erwarten wir jedoch häufig mehr: Wir möchten so lange vergleichen, bis eine Option eindeutig gewinnt und jeder Zweifel verschwindet. Bei vielen Entscheidungen wird dieser Punkt nicht eintreten. Es bleiben mehrere gute Möglichkeiten – und damit auch Gründe, die für eine andere Wahl gesprochen hätten.

Klarheit kann vor der eigentlichen Auswahl beginnen

Wer zwischen vielen Angeboten feststeckt, braucht daher nicht unbedingt noch eine weitere Empfehlung oder Vergleichsliste. Hilfreicher kann eine kurze Unterbrechung der Suche sein:

„Was möchte ich mit dieser Entscheidung ermöglichen?“
„Welche zwei oder drei Bedingungen sind mir besonders wichtig?“
„Was wäre zwar schön, ist diesmal aber nicht entscheidend?“

Die Antwort muss nicht für alle Zukunft gelten. Vielleicht entscheidet sich die Frau heute für Bewegung und in einem Jahr für eine Sprache.

Orientierung bedeutet nicht, jede interessante Möglichkeit weiterverfolgen zu müssen. Sie entsteht auch nicht automatisch dadurch, dass wir möglichst viele Optionen kennen. Manchmal beginnt Orientierung damit, klarer zu erkennen, worauf es bei dieser Entscheidung wirklich ankommt.