Alle Notes
Note 07 · Journal

Wenn du gerne mit Menschen arbeitest – aber nicht den ganzen Tag

Du führst Gespräche souverän, präsentierst sicher und arbeitest gerne mit anderen. Doch wie viel Austausch möchtest du künftig in deinem Berufsalltag?

Du kommst aus einem Kundentermin, der gut gelaufen ist. Du hast Fragen beantwortet, eine schwierige Situation geklärt und gemeinsam mit deinem Gegenüber eine Lösung gefunden. Im anschließenden Teammeeting präsentierst du die Ergebnisse und besprichst die nächsten Schritte.

Deine Kollegen kennen dich als kommunikativ und sicher im Auftreten. Wenn ein wichtiger Termin ansteht, wirst du gerne dazugeholt. Du findest die richtigen Worte, kannst unterschiedliche Interessen zusammenbringen und behältst auch in anspruchsvollen Gesprächen den Überblick.

Als du am Nachmittag endlich Zeit hast, dich allein mit einer Aufgabe zu beschäftigen, merkst du, wie sehr du dich darauf gefreut hast.

Nicht, weil die Gespräche schlecht waren. Sondern weil du neben dem Austausch mit anderen auch Zeit brauchst, in der du ungestört denken und arbeiten kannst.

Wenn ich gerne mit Menschen arbeite – möchte ich dann auch den größten Teil meines Arbeitstages im Gespräch verbringen?

Was andere sehen – und was sie nicht sehen

Im Beruf erleben andere vor allem, wie du deine Aufgaben erfüllst. Sie sehen, dass du eine Präsentation souverän hältst, Gespräche aufmerksam führst oder in einer Besprechung schnell auf Fragen reagieren kannst.

Was sie nicht unbedingt sehen, ist, wie du selbst diese Arbeit erlebst.

Vielleicht macht es dir Freude, mit Kunden an komplexen Fragen zu arbeiten. Gleichzeitig wünschst du dir nach mehreren aufeinanderfolgenden Terminen Zeit, um dich einer Aufgabe in Ruhe zu widmen. Vielleicht präsentierst du gerne Ergebnisse, möchtest aber nicht ständig neue Kontakte knüpfen. Oder du schätzt die Zusammenarbeit im Team, brauchst für anspruchsvolle fachliche Aufgaben jedoch längere Phasen ohne Unterbrechung.

Das widerspricht sich nicht. Du kannst eine Aufgabe gerne und gut erledigen, ohne sie den ganzen Tag machen zu wollen.

Berufliches Auftreten ist nicht dasselbe wie eine bevorzugte Arbeitsweise

Wir passen unser Auftreten an unterschiedliche berufliche Situationen an. In einem Kundengespräch verhältst du dich anders als bei der konzentrierten Ausarbeitung eines Konzepts. In einer Teamsitzung übernimmst du eine andere Aufgabe als im vertraulichen Gespräch mit einer Kollegin.

Der Soziologe Erving Goffman beschrieb, wie Menschen ihr Auftreten in sozialen Situationen gestalten und auf ihr Gegenüber abstimmen. Das ist nicht grundsätzlich unecht, sondern gehört zum sozialen Miteinander. Aus diesem Ansatz lässt sich allerdings nicht ableiten, wie viel Kontakt ein einzelner Mensch bei der Arbeit bevorzugt oder als anstrengend empfindet.

Für deine berufliche Orientierung ist deshalb eine andere Frage entscheidend: Welche beruflichen Situationen möchtest du künftig wie häufig erleben?

Vielleicht magst du es, vor einer Gruppe zu sprechen – besonders dann, wenn du dich vorbereiten kannst und ein Thema präsentierst, mit dem du dich intensiv beschäftigt hast. Vielleicht arbeitest du gerne mit Menschen, schätzt aber längere Gespräche mehr als viele kurze Termine. Oder du möchtest einen Teil deiner Arbeitszeit für Aufgaben reservieren, die du eigenständig bearbeitest.

Du musst dich dafür nicht als introvertiert oder extrovertiert einordnen. Wichtiger ist, genauer zu verstehen, welche Form und welches Ausmaß an Austausch zu deiner gewünschten Arbeitsweise passen.

Nicht nur welche Aufgaben – auch in welcher Form

Wenn du eine neue Position in Betracht ziehst, schaust du vermutlich auf die Aufgaben und die Verantwortung, die damit verbunden sind.

Doch selbst ähnlich beschriebene Tätigkeiten können im Alltag sehr unterschiedlich aussehen.

„Enge Zusammenarbeit mit Kunden“ kann bedeuten, dass du über längere Zeit mit wenigen Ansprechpartnern an komplexen Themen arbeitest. Es kann aber auch heißen, dass du täglich viele kurze Gespräche führst und zwischen unterschiedlichen Anliegen wechselst.

„Arbeit im Team“ kann regelmäßigen fachlichen Austausch bedeuten. Oder einen Arbeitstag, an dem Besprechungen und kurze Abstimmungen immer wieder deine konzentrierte Arbeit unterbrechen.

Auf dem Papier klingen diese Positionen vielleicht ähnlich. Für dich könnten sie sich sehr unterschiedlich anfühlen.

Deshalb lohnt es sich, bei einer neuen beruflichen Möglichkeit nicht nur nach den Aufgaben zu fragen. Sondern auch danach, wie ein gewöhnlicher Arbeitstag tatsächlich abläuft.

Wie viel Austausch möchtest du in deinem Arbeitsalltag?

Denk an einen Arbeitstag, an dem dir die Arbeit gut entsprochen hat. Nicht nur, weil du viel erledigt hast, sondern auch, weil die Art der Zusammenarbeit für dich gepasst hat.

Wie viel Zeit hast du im Austausch mit anderen verbracht? Waren es kurze Abstimmungen oder längere Gespräche? Hattest du Gelegenheit, dich zwischendurch auf eine Aufgabe zu konzentrieren? Wie häufig musstest du zwischen Themen wechseln?

Vielleicht möchtest du weiterhin präsentieren, beraten oder führen – aber weniger Zeit in Besprechungen verbringen. Vielleicht wünschst du dir umgekehrt mehr Kontakt mit anderen, weil du derzeit überwiegend allein arbeitest. Oder du merkst, dass dir eine Mischung aus Austausch und eigenständiger Arbeit wichtig ist, die deine aktuelle Rolle kaum ermöglicht.

Wie sicher du im Umgang mit anderen bist, sagt noch nicht, wie viel Austausch du dir für deinen Berufsalltag wünschst.