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Note 04 · Journal

Wenn andere schon wissen, wie deine Karriere weitergehen soll

Ein Angebot kann sich wie der nächste logische Schritt anfühlen. Doch was andere dir zutrauen, muss nicht das sein, was du beruflich selbst möchtest.

Deine Vorgesetzte bietet dir eine Führungsposition an. Sie schätzt deine Arbeit, kennt deine Erfahrung und ist überzeugt, dass du der Aufgabe gewachsen bist. Du freust dich über das Vertrauen.

Gleichzeitig bist du unsicher. Du arbeitest gerne fachlich und schätzt es, Ideen eigenständig umzusetzen. In der neuen Rolle würdest du mehr Zeit mit Personalthemen, Abstimmungen und organisatorischen Aufgaben verbringen.

Du nimmst das Angebot an. Vielleicht, weil dich die Herausforderung reizt. Vielleicht auch, weil es wie der nächste logische Karriereschritt erscheint und du die Chance nicht ausschlagen möchtest.

Einige Jahre später führst du dein Team souverän. Du hast viel gelernt und bist in deiner Rolle sicher geworden. Trotzdem merkst du, dass du künftig wieder stärker fachlich arbeiten möchtest.

War diese Position der richtige Schritt für mich? Vielleicht war sie es damals. Die wichtigere Frage ist inzwischen eine andere: Möchte ich diesen Weg heute weitergehen?

Was andere in dir sehen

Berufliche Möglichkeiten entstehen häufig, weil andere unsere Fähigkeiten erkennen. Eine Führungskraft bietet dir mehr Verantwortung an. Ein Kunde fragt, ob du ein größeres Projekt übernehmen möchtest. Kollegen wenden sich mit bestimmten Aufgaben an dich, weil sie wissen, dass sie sich auf dich verlassen können.

Solche Anfragen können dir neue Erfahrungen ermöglichen und Wege eröffnen, die du selbst noch nicht in Betracht gezogen hast.

Mit der Zeit kann daraus aber auch eine feste Rolle entstehen. Du übernimmst bestimmte Aufgaben, wirst gut darin und wirst deshalb immer häufiger dafür angefragt. Deine Erfahrung wächst – und mit ihr möglicherweise die Erwartung, dass du diesen Weg weitergehst.

Was von außen wie eine folgerichtige berufliche Entwicklung aussieht, muss jedoch nicht vollständig deinen eigenen Vorstellungen entsprechen.

Ein Angebot ist noch keine Verpflichtung

Wenn dir eine neue Aufgabe angeboten wird, kannst du dich darüber freuen und trotzdem überlegen, ob du sie übernehmen möchtest.

Vielleicht interessiert dich die Tätigkeit, aber nicht der damit verbundene Führungsanteil. Vielleicht reizt dich die größere Verantwortung, während du dir zugleich mehr zeitlichen Spielraum wünschst. Oder du merkst, dass du vor allem deshalb über eine Zusage nachdenkst, weil du niemanden enttäuschen möchtest.

Dabei sind die Erwartungen anderer nicht immer so eindeutig, wie sie erscheinen. Deine Vorgesetzte bietet dir die Position möglicherweise an, weil sie dir diese Aufgabe zutraut – nicht, weil sie voraussetzt, dass du sie übernehmen musst.

Ob es auch eine andere Möglichkeit für deine berufliche Entwicklung gäbe, erfährst du womöglich erst, wenn du aussprichst, was dich an dem Angebot interessiert und was nicht.

Die Frage lautet deshalb nicht nur: Kann ich diese Aufgabe übernehmen?

Sondern auch: Möchte ich, dass sie künftig zu meinem Arbeitsalltag gehört?

Was früher gepasst hat, darf sich verändern

Vielleicht hast du eine Führungsposition gerne übernommen und erst mit der Zeit festgestellt, dass du deine fachliche Arbeit vermisst. Vielleicht hat dir eine Rolle über Jahre entsprochen, während sich deine Interessen oder deine Vorstellungen vom Berufsalltag inzwischen verändert haben.

Das macht deine frühere Entscheidung nicht falsch.

Wenn du heute über eine berufliche Veränderung nachdenkst, lohnt es sich deshalb, deine aktuelle Rolle genauer zu betrachten: Welche Aufgaben möchtest du beibehalten? Welche erledigst du zuverlässig, möchtest ihnen künftig aber weniger Zeit widmen? Wie viel Verantwortung und Gestaltungsspielraum wünschst du dir heute?

Und gibt es Möglichkeiten, die du bisher kaum in Betracht gezogen hast, weil sie nicht dem nächsten Schritt entsprechen, den andere – oder du selbst – lange für naheliegend gehalten haben?

Die eigene Richtung erkennen

Du musst die Einschätzungen anderer nicht zurückweisen. Sie können dir helfen, deine Fähigkeiten aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und neue Möglichkeiten zu entdecken.

Entscheidend ist, dass du ein Angebot von deiner eigenen beruflichen Entscheidung unterscheiden kannst.

Vielleicht möchtest du deine bisherige Rolle beibehalten. Vielleicht soll sich nur ein Teil deiner Aufgaben verändern. Oder du erkennst, dass du künftig eine andere Richtung einschlagen möchtest.

Was andere dir zutrauen, zeigt dir, welche Möglichkeiten du hast. Welche davon zu deinem weiteren Weg passen, hängt auch davon ab, wie du künftig arbeiten möchtest.