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Note 08 · Journal

Du weißt, was zu tun ist. Aber darfst du auch selbst entscheiden, wie?

Eine Aufgabe kann genau zu deinen Fähigkeiten passen und dich trotzdem unzufrieden machen. Denn es kommt nicht nur darauf an, was du tust, sondern auch darauf, wie viel Gestaltungsspielraum du dabei hast.

Du arbeitest an einem Projekt, mit dem du dich fachlich gut auskennst. Du hast die notwendigen Informationen, siehst mögliche Lösungen und weißt, wie du vorgehen möchtest.

Bevor du beginnen kannst, musst du allerdings deinen nächsten Schritt abstimmen. Die Reihenfolge der Aufgaben ist vorgegeben. Für eine kleinere Änderung brauchst du eine Freigabe. Selbst bei Fragen, die du aufgrund deiner Erfahrung gut beurteilen könntest, sollst du zunächst eine Rückmeldung einholen.

Du erledigst deine Arbeit zuverlässig. Trotzdem bemerkst du, dass dich die vielen Abstimmungen zunehmend beschäftigen.

Nicht unbedingt, weil du mehr Verantwortung übernehmen möchtest. Sondern weil du dir wünschst, innerhalb deines Aufgabenbereichs selbstständiger entscheiden zu können.

Wie viel Spielraum brauche ich eigentlich, damit mir meine Arbeit entspricht?

Verantwortung und Gestaltungsspielraum sind nicht dasselbe

Bei der Suche nach einer neuen Position achten wir häufig darauf, wie viel Verantwortung mit ihr verbunden ist.

Doch Verantwortung kann sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Du kannst für ein Ergebnis zuständig sein und gleichzeitig wenig Einfluss darauf haben, wie du es erreichst. Vielleicht musst du Termine einhalten, darfst aber die Reihenfolge deiner Aufgaben nicht selbst festlegen. Oder du sollst ein Projekt voranbringen, kannst wichtige Entscheidungen jedoch nicht ohne Freigabe treffen.

Umgekehrt gibt es Tätigkeiten, in denen du keine Führungsverantwortung trägst und dennoch weitgehend eigenständig arbeitest.

Deshalb lohnt sich eine genauere Unterscheidung: Möchte ich mehr Verantwortung übernehmen – oder möchte ich innerhalb meiner bestehenden Verantwortung mehr selbst entscheiden können?

Beides kann zusammengehören. Es ist aber nicht dasselbe.

Wie viel Freiheit lässt dir deine Arbeit?

In der Arbeitspsychologie bezeichnet Autonomie bei der Arbeit den Handlungsspielraum, den Menschen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit haben. Dazu gehört beispielsweise, in welchem Ausmaß sie Arbeitsabläufe, die zeitliche Planung oder die Vorgehensweise selbst bestimmen können.

Eine Metaanalyse zur Arbeitsgestaltung, die 259 Studien einbezog, untersuchte solche Merkmale der Arbeit und ihre Zusammenhänge mit berufsbezogenen Einstellungen und Verhaltensweisen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die Gestaltung der Tätigkeit für die Arbeitszufriedenheit relevant ist. Sie bedeuten nicht, dass möglichst viel Autonomie für jeden Menschen und jede Aufgabe die richtige Lösung wäre.

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Denn auch die Anforderungen einer Tätigkeit unterscheiden sich. Manche Entscheidungen müssen aus Sicherheitsgründen abgestimmt werden. Bei anderen Aufgaben ist enge Zusammenarbeit notwendig, damit ein gemeinsames Ergebnis entsteht.

Die Frage ist deshalb nicht, ob du möglichst unabhängig arbeiten solltest. Sondern bei welchen Aufgaben du selbst entscheiden möchtest und wo Abstimmung für dich sinnvoll ist.

Zwei ähnliche Stellen können sich völlig unterschiedlich anfühlen

Stell dir zwei Positionen mit vergleichbaren fachlichen Aufgaben vor.

In der einen erhältst du ein klares Ziel. Du besprichst die wesentlichen Rahmenbedingungen und entscheidest anschließend selbst, wie du vorgehst, welche Arbeitsschritte du priorisierst und wann du Rücksprache hältst.

In der anderen ist nicht nur das Ziel festgelegt, sondern auch der Weg dorthin. Du arbeitest nach detaillierten Vorgaben und stimmst einzelne Schritte regelmäßig ab.

Keine dieser Arbeitsweisen ist grundsätzlich für jeden Menschen besser. Vielleicht schätzt du klare Prozesse und möchtest nicht bei jeder Aufgabe neu entscheiden müssen, wie du vorgehst. Vielleicht ist dir gerade wichtig, deine Erfahrung einzubringen und innerhalb deines Zuständigkeitsbereichs eigene Lösungen entwickeln zu können.

Obwohl die Stellenbeschreibungen ähnlich klingen, könnte dir eine der beiden Arbeitsweisen deutlich mehr entsprechen.

Nicht jede Vorgabe ist eine Einschränkung

Mehr Gestaltungsspielraum bedeutet nicht, dass du bei deiner Arbeit auf klare Ziele oder verlässliche Absprachen verzichten musst.

Vielleicht arbeitest du besonders gerne, wenn das gewünschte Ergebnis eindeutig ist, du über den Weg dorthin aber selbst entscheiden kannst. Vielleicht brauchst du bei neuen Aufgaben zunächst eine engere Abstimmung und möchtest mit wachsender Erfahrung eigenständiger werden.

Es kann auch sein, dass du dir bei fachlichen Entscheidungen mehr Spielraum wünschst, während dir feste Arbeitszeiten oder klar geregelte Zuständigkeiten entgegenkommen.

Deshalb hilft die pauschale Frage „Möchte ich selbstständig arbeiten?“ nur begrenzt weiter.

Interessanter ist: Wobei möchte ich selbst entscheiden? Welche Vorgaben helfen mir? Und an welchen Stellen schränken sie mich stärker ein, als es für meine Arbeit notwendig wäre?

Worauf du bei deiner nächsten beruflichen Entscheidung achten kannst

Wenn du eine neue Rolle prüfst, schau nicht nur auf die Aufgaben, die Verantwortung und die Position im Unternehmen. Versuche auch herauszufinden, wie die tägliche Arbeit organisiert ist.

Wer legt Prioritäten fest? Welche Entscheidungen kannst du selbst treffen? Wie häufig sind Abstimmungen vorgesehen? Was passiert, wenn du eine andere Vorgehensweise für sinnvoll hältst?

Vielleicht erkennst du dabei, dass du keine grundsätzlich neue Tätigkeit suchst. Du möchtest deine bisherigen Aufgaben nur eigenständiger bearbeiten können.

Vielleicht stellst du umgekehrt fest, dass dir die Verantwortung für zu viele offene Entscheidungen nicht entspricht und du dir klarere Abläufe wünschst.

Berufliche Passung zeigt sich nicht nur darin, welche Aufgaben du übernimmst. Sondern auch darin, wie du sie ausführen kannst – und wie viel du dabei selbst entscheiden möchtest.